Textile Entdeckungen in Cape Breton, Nova Scotia, Kanada

Im Rahmen meines Besuchs des Folkfestivals Celtic Colours auf Cape Breton, Nova Scotia, Kanada, konnte ich eine Quilt-Ausstellung von SAQA-Mitgliedern besuchen. Ich habe Gewebtes und Gehäkeltes gefunden, konnte beim Rug Hooking zusehen und habe schließlich etwas über das Quillwork der Mi'kmaw-Indianer erfahren.
 

Im Craft Centre von Sydney, auf Cape Breton in Kanada, zeigten SAQA-Mitglieder ihre Quilts. SAQA steht für Studio Art Quilt Associates und ist eine gemeinnützige Organisation, deren Aufgabe es ist, die Kunst des Quiltens zu fördern

In einem großen, sehr hellen Raum im ersten Stock des Craft Centres hingen die Quilts für meinen Geschmack etwas verloren an den Wänden. Die ganze große Mitte des Raums war leer und hätte sich für zum Beispiel von der Decke hängende Werke oder Aufbauten in der Mitte angeboten.

Hier sehen sie von links nach rechts: Traffic Flow at 33rd and Bow von Alison Dean Cowith, Mycelium von Deb Plestid, Touchstones von Gillian Martin Noonan und Separated von Beth MacKay.

Nur ein paar Schritte weiter in einen neuen Raum im Craft Centre dagegen eine Explosion von Farbe und Gerätschaften. In dem großen Raum werden Webkurse angeboten, die Webrahmen standen zusammengeschoben an den Wänden. Eine Dame webte gerade einen Schal. Als ich sie fragte, wie die interessante Maserung der Kettfäden zustande gekommen sei, antwortete sie, sie habe die Kettfäden mit Farbe betupft.

In Iona auf Cape Breton liegt das Highland Village, ein lebendiges Geschichtsmuseum und Volkskundezentrum, das die Geschichte, Sprache und lebendige Kultur der Gälen von Nova Scotia würdigt. Zwischen Mitte des 18. Jahrhunderts und Ende des 19. Jahrhunderts kamen Zehntausende gälischsprachige Schotten
nach Nova Scotia, um ein neues Leben in einem Land zu beginnen, das reich an Ressourcen, aber auch voller Herausforderungen war. 

In kleinen Holzhäusern saßen oder standen Personen in der Kleidung der damaligen Zeit und erzählten bereitwillig von den Bedingungen, denen sich die Einwanderer gegenüber sahen. Als Erstes mussten sie die Bäume roden, um Platz für den Anbau von zum Beispiel Kartoffeln und Roggen zu schaffen. Durch Jagen und Fischen überstanden sie die viel härteren und schneereicheren Winter Kanadas.

Ein bisschen wie die Amishen in den USA nutzten die Frauen, was die hatten. Sie nähten aber nicht in erster Linie Quilts, sondern schufen durch Rug Hooking Teppiche. Rug Hooking ist eine alte Handarbeitstechnik, bei der mithilfe einer speziellen Nadel (Punch Needle oder Haken) Stoffstreifen durch einen Leinen- oder Jutestoff gezogen werden, um Muster zu erzeugen.

Im "Carding Shed" wurde die Wolle von schwarzen und weißen Schafen kardiert, konnte dann gesponnen und zu Kleidung verarbeitet werden.

Eine ältere Dame im zeitgemäßen Kleid und mit Häubchen häkelte die Sechsecke für einen Grandmothers Flower Garden, um sich die Zeit in einem der alten Wohnhäuser zu vertreiben. Die Decke solle groß genug für ein Doppelbett werden. Da hat sie noch einiges vor sich!

Im nächsten Raum lagen neben einer alten Nähmaschine Crazy-Blöcke, die vielleicht einmal zu einem Quilt verarbeitet werden sollen.

In Baddeck auf Cape Breton veranstaltete die Baddeck Quilt Guild ein Fibre Festival. Vor dem Gebäude hingen sehr dekorativ einige Wollstränge in der Farben des Indian Summer.

Im Gebäude hielt eine junge Frau mir einen hauchzarten Schal entgegen. Er sei aus Angorawolle und etwas Nylongarn gehäkelt.

Im Museum of Natural History von Halifax fragen alle Kinder, die kommen, als Erstes nach Gus. Gus ist eine 102 Jahre alte Schildkröte. Sie ist nicht besonders groß, man muss sich bücken, um sie in ihrem Haus zu finden. 

Es gibt aber auch: die Galerie Pjila'si, was in Mi'kmaw „Willkommen” bedeutet. Es ist nicht nur eine Galerie. Es ist ein interaktiver Raum, der die Kultur der Mi'kmaw feiert. Die Mi'kmaw sind eine sogenannte First Nation, wie heute Indianer genannt werden.

Quillwork ist eine Form der Textilverzierung, die traditionell von den indigenen Völkern Nordamerikas praktiziert wird und bei der die Stacheln von Stachelschweinen als ästhetisches Element verwendet werden. Gelegentlich wurden auch Kiele von Vogelfedern für Quillwork verwendet. 

Zur Verzierung eignen sich zwei bis drei Zoll lange Stacheln, die vor der Verwendung gefärbt werden können. In ihrem natürlichen Zustand sind die Stacheln hellgelb bis weiß mit schwarzen Spitzen. Die Spitzen werden in der Regel vor der Verwendung abgeschnitten. Die Stacheln nehmen Farbstoffe gut auf, die ursprünglich aus lokalen Pflanzen gewonnen wurden und ein breites Farbspektrum umfassten, wobei Schwarz, Gelb und Rot am häufigsten vorkamen. 

 

Zu guter Letzt noch eine kunsthandwerkliche Arbeit der Mi'kmaw. Ich habe diesen Gürtel in einem Reservat dieser First Nation gefunden. Er hing weit oben an der Wand. Ich meine aber, kleine Muscheln und Holzstückchen zu entdecken. Ich fragte nach textilen Arbeiten, bekam aber zur Antwort, die Mi'kmaw hätte in erster Linie Perlenarbeiten gemacht.