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Ein Interview mit Fraser Smith, Holz-Quilt-Macher

 

Fraser Smith lebt in Tampa, Florida und er schnitzt Holzquilts. Sie sehen täuschend echt aus und begeistern Quilterinnen nah und fern. Warum schnitzt er Quilts und wie macht er das?

Die folgenden Fragen an Fraser Smith von seiner Website habe ich mit der freundlichen Genehmigung des Künstlers übersetzt. Auch die Bilder seiner Quilts darf ich mit seiner Erlaubnis hier zeigen.

Welches Holz verwenden Sie?

Die Quilt sind aus Lindenholz geschnitzt, die Lederjacken aus Mahagoni aus Honduras.

Warum nehmen Sie dieses Holz? Sind das harte oder weiche Hölzer?

Lindenholz ähnelt in vieler Hinsicht Kiefernholz, wenn die Bäume auch unterschiedlich aussehen. Es ist gleichförmiger, d.h., es hat weniger "Streifen", wie sie z.B. durch die Wachstumsringe bei der Kiefer entstehen. Lindenholz ist ein wenig gemasert, aber längst nicht so ausgeprägt. Lindenholz und Mahagoni sind recht weiche Hölzer mit geradem Span. Deshalb eignen sie sich gut zum Schnitzen.

Schnitzen Sie Ihre Arbeiten wirklich aus einem großen Stück Holz?

Ja. Bei einem typischen Quilt fange ich mit einem Block von ca. 150 cm Länge, ca. 100 cm Breite und ca. 10 cm Dicke an.

Wie findet man ein Stück von dieser Größe?

Das findet man nicht. Alle Teile werden aus mehreren ziemlich großen Stücken zu einem großen Block zusammen geleimt. Das größte Stück Lindenholz, das ich je gefunden habe, war ein Brett von ca. 425 cm Länge, 50 cm Breite und 10 cm Dicke. In der Holzhandlung, in der ich es gekauft habe, nannten sie es "Mr. Board". Die Hälfte davon habe ich für die Arbeit "Oken Dish" verwendet.

Welche Art von Werkzeugen benutzen Sie?

Ich arbeite mit dem, was am schnellsten geht. Ich habe etwa 60 Stemmeisen und Hohlmeißel. Für die grobe Arbeit verwende ich eine Schnitzscheibe auf einem Winkelschleifer. Eine Schnitzscheibe ist eine Metallscheibe mit Kettensägenzähnen mit 10 cm Durchmesser. Das ist ein sehr gefährliches Werkzeug, damit kann ich aber sehr schnell sehr viel Holz abschleifen. Ich benutze auch Biegewellenschleifer, Schwingschleifer sowie Skalpelle und Zahnarztinstrumente. Etwa 80% der Arbeitszeit an einem Stück besteht aus Schmirgeln.

Oken Dish, 68" x 36" x 4", 1999

Wie lange arbeiten Sie an einem Stück?

Jedes Teil ist anders, es hängt ab von der Gesamtgröße und der Komplexität des Musters. Ein durchschnittlicher Quilt dauert etwa drei Monate, manche aber auch bis zu sechs Monate. Für Mäntel brauche ich etwa zwei Monate und für Kappen etwa eine Woche. Ich sollte vielleicht sagen, dass es mir mit den Jahren immer schneller von der Hand geht. Für meinen ersten Mantel habe ich 1984 noch 18 Monate gebraucht, für meinen ersten Quilt ein Jahr. Mit besseren Werkzeugen und mehr Erfahrung fertige ich etwa vier Quilts im Jahr.

Wie viel wiegt ein Quilt?

Zwischen 36 und 58 Kilo.

Benutzen Sie ein Modell für Ihre Arbeit?

Für die Quilts und Kappen nicht, für die Jacken schon. Für die ersten beiden Quilts habe ich ein Modell benutzt, dann aber festgestellt, dass die Schwerkraft überall ziemlich gleich ist und dass Stoff immer auf eine bestimmte Weise hängt. Ich entwerfe die Quiltmuster am PC mit Corel Draw. Da bekomme ich kein genaues Abbild des Stücks, aber doch zumindest eine allgemeine Vorstellung von dem, was ich schaffen will. Mit Ausdrucken zeige ich meinen Kunden, was Sie bei einem Auftrag erwarten können.

Wo stellen Sie Ihre Arbeiten aus?

Momentan habe ich ein paar Galerien, die meine Arbeiten gelegentlich ausstellen. Ich versuche auch alle paar Jahre, meine Arbeiten bei der Smithonian Craft Show zu zeigen, wenn man mich akzeptiert und ich genügend zu zeigen habe. Ich versuche auch, bei den beiden SOFA-Ausstellungen und New York und Chicago jedes Jahr eine Arbeit zu zeigen. Die Galerie Del Mano zeigt meine Arbeit bei der SOFA in New York und Katie Gingrass zeigt sie bei der SOFA in Chicago. Es sind nicht viele Arbeiten öffentlich zu sehen, die meisten hängen in Privathäusern. "Floating" ist in der ständigen Ausstellung im National Quilt Museum in Paducah, Kentucky, zu sehen. Und eine jüngere Arbeit "Wiggins Sampler" hängt in der Lobby des Wiggings Place im Menorah Park Compley in Beachwood, Ohio, in der Nähe von Cleveland.

Verkaufen Sie viele Stücke?

Ja, aber das ist schwer zu sagen, da ich nicht viele Stücke herstelle. Momentan habe ich nur eine Kappe und einen Quilt zu verkaufen. Ich habe meinen gesamten Bestand im letzten Frühjahr verkauft, sollte aber bis zur SOFA-Ausstellung in Chicago in diesem Herbst wieder ein neues Stück fertig haben.

Nehmen Sie Aufträge an?

Ja.

Wie sind Sie zu dieser Art von Arbeit gekommen?

Ich wollte Architekt werden, deshalb habe ich im College Kunst belegt. In einem meiner Kurse sollten wir ein superrealistisches Objekt schnitzen. Ich habe mich für eine alte Sporttasche entschieden, aus der ein Smoking hing. Wenn auch die Technik verglichen mit dem, was ich heute mache, noch ziemlich grob war, war die Reaktion darauf positiv und ich bekam eine gute Note. Ich habe dann nicht weiter darüber nachgedacht, bis eine Sammlerin aus New York das Stück kaufen wollte. Rückwirkend betrachtet denke ich, sie hat einen sehr guten Preis bekommen.

Ich habe ein Jahr lang für einen Architekten in New York gearbeitet und dann beschlossen, dass ich das nicht für den Rest meines Lebens tun will. Deshalb bin ich nach Florida gezogen, habe angefangen Holz und Werkzeuge zu kaufen und bin an die Arbeit gegangen. Ich habe fünf Jahre als Kellner, Schreiner und Mann für alles gearbeitet. Seit 1988 kann ich von meiner Arbeit leben.

Floating", 65" x 42" x 4", 2002

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Quilt zu schnitzen?

1982 habe ich eine Rose geschnitzt und wollte sie auf interessante Weise präsentieren. Deshalb habe ich nur das Revers eines Smokings geschnitzt und die Rose daran befestigt. Dann habe ich beschlossen, die ganze Jacke mit der Rose im Knopfloch zu schnitzen. Danach habe ich mehrere weitere Stücke geschnitzt, bis ich irgendwann 1987 keine Lust mehr dazu hatte. Da habe ich angefangen, darüber nachzudenken, etwas anderes zu schnitzen.

Es gab keine Quilts in meinem Elternhaus, aber ich war immer fasziniert von den Designs und der vielen Arbeit, die ein Quilt erfordert. Ich war mir nicht sicher, ob ich einen schnitzen konnte, dachte aber, es wäre eine echte Herausforderung, es zu versuchen. Ich wusste, dass die Farben, die ich benutze, gut auf dem Holz aussehen und der Stoff des Quilts war eine ganz natürliche Weiterentwicklung der Arbeit an den Jacken und Hüten. So habe ich 1987 mit dem Quilt "The Cats of Morpheus" angefangen und nach einem Jahr war ich fertig. Die Arbeit hat sich schnell verkauft und seitdem habe ich 35 weitere Quilts geschnitzt.

Warum machen Sie das?

Im Wesentlichen schnitze ich Dinge zum Behalten. Dinge die man nicht so schnell wegwirft. Dinge, zu denen Menschen im Allgemeinen eine persönliche Beziehung aufbauen können, die uns an Ereignisse oder Menschen aus der Vergangenheit erinnern. Etwas, was wir aufheben, selbst wenn es zu verschlissen ist, um es noch zu gebrauchen. Unser Leben ist so voll von interessanten Dingen, auf die wir nicht unbedingt achten. Indem ich diese Dinge aus einem ungewöhnlichen Medium neu schaffe und an einem ungewöhnlichen Ort zeige, bringt das den Betrachter dazu, inne zu halten und den Gegenstand zu betrachten.

Verstehen Sie mich richtig. Ich schnitze keine exakten Nachbildungen von Stoff, sondern etwas, das so aussieht wie das, was unser Verstand als Stoff interpretiert. Stellen Sie sich vor, Sie betreten einen Raum und sehen all die Dinge darin, die Sie dort erwarten würden: Tisch, Stühle, ein Gemälde oder zwei und oh, was ist denn das? Jemand hat eine alte Smoking-Jacke an einen Haken mitten an die Wand gehängt. Sie fragen sich: Warum ist dieses Ding hier? Als erstes sehen Sie ein nicht zur Umgebung passendes Objekt und bilden sich ein Urteil dazu. Dann stellen Sie fest, dass es ein Stück Holz ist und müssen ihr Urteil sofort revidieren. Auf eine Weise, auf einen anderen Ebene ist das wie Magie.
 

Übersetzung: Claudia Eichert-Schäfer mit freundlicher Genehmigung des Künstlers
Fraser Smith Website finden Sie unter: http://www.gofraser.com