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Nachlese der Ausstellung „Kunst und Textil – Stoff als Material und Idee in der Moderne von Klimt bis heute“

Yinka Shonibare in der Friedrichswerderschen Kirche in Berlin

Am 6. Juni konnte ich die Ausstellung „Kunst und Textil – Stoff als Material und Idee in der Moderne von Klimt bis heute“ in der Staatsgalerie in Stuttgart besuchen. Die ursprünglich für das Wolfsburger Museum konzipierte Ausstellung „Kunst und Textil“ wurde vom 31. März bis 22. Juni in konzentrierter Form in Stuttgart gezeigt. Sie war um etwa ein Drittel kleiner als in Wolfsburg. Leider ist die Ausstellung jetzt geschlossen. Es gibt aber von allen Künstlerinnen und Künstlern Bilder im Internet zu sehen.

Fasziniert hat mich die Gegenüberstellung von modernen abstrakten Werken mit Geweben aus der dritten Welt. So war zum Beispiel ein Wickeltuch aus Raffia von 1950 aus dem Kongo neben modernen abstrakten Kunstwerken zu sehen.

Yinka Shonibare kannte ich schon aus Berlin, wo er 2003 in der Friedrichswerderschen Kirche seine Installation „Scramble for Africa“ ausgestellt hatte. Zu sehen waren kopflose Figuren, bekleidet mit „typisch“ afrikanischen Stoffen, die sich über eine Landkarte beugen, auf der Afrika dargestellt ist. Die Installation nimmt Bezug auf die die Berliner Kongokonferenz 1884/1885, in deren Rahmen Afrika zwischen den Kolonialmächten aufgeteilt wurde.
http://africa.si.edu/exhibits/shonibare/scramble.html

In Stuttgart zeigt er die Food Faerie, eine kindergroße kopflose Schaufensterpuppe mit Flügeln, die einen Rucksack mit Früchten trägt.
http://www.annaschwartzgallery.com/works/works?artist=114&c=s

Natürlich denkt man da sofort die Nike von Samothrake, die ähnlich kopflos und beflügelt auf ihrem Sockel schreitet.
http://shadow-pix.deviantart.com/art/Nike-von-Samothrake-158511263

Die „afrikanischen“ Textilien, mit denen die Food Faerie und auch die Figuren der Kongokonferenz bekleidet ist, stammen ursprünglich aus Holland, wo sie speziell für den afrikanischen Markt in großen Mengen produziert wurden. Sie ähneln stark indonesischen Batiken. Heute gelten sie als typisch afrikanisch. Inzwischen werden sie in Indien und China hergestellt.

Leider fehlte in Stuttgart unter anderem leider die außergewöhnliche Installation „Love Letters“ von Chiharu Shota, ein ganz mit Fäden durchspannter Raum mit Liebesbriefen.
Man kann sie aber auch hier bewundern: http://omstreifer.wordpress.com/tag/chiharu-shiota-love-letters/

In einem Raum der Ausstellung wurde eine Tapisserie von 1520 zwei gewebten Jacquard-Wandteppichen von Gerhard Richter gegenüber gestellt. Ein interessanter Kontrast! Auf der Tapisserie dem Musée de Cluny in Frankreich sind zwei reich gekleidete edle Damen im Garten zwischen Blumen und Tieren dargestellt. Erstaunlich wie gut erhalten die Farben und das Gewebe sind.
http://www.kotzendes-einhorn.de/blog/2009-12/die-dame-mit-dem-einhorn/

Für die beiden Wandteppiche von Richter wurden abstrakte Gemälde digital fotografiert und dann vierfach gespielt auf einem Jacquard-Webstuhl gearbeitet. Wer nicht ganz nah heran geht, kann nicht erkennen, dass es kein Gemälde, sondern Textil ist. Das Gewebe hat Höhen und Tiefen und mutet von der Ferne an, wie ein stark gespachteltes Ölgemälde.
http://kultur-online.net/?q=node/25294 

Auch die Hirnschnitte von Birgit Dieker aus eng gerollten alten Kleidungsstücken vom Flohmarkt sehen täuschend echt aus, wie aus dem Anatomielehrbuch!
http://www.monopol-magazin.de/fotostrecke/artikel/20107367/Charity-Auktion-fuer-Placet-in-Berlin-.html
http://www.pinterest.com/pin/552394710517088253/

Besonders beeindruckend fand ich eine Skulptur von Bharti Kher mit Baumwoll-Saristoffen, die über einen Stuhl drapiert sind. Die Künstlerin hat sie mit Harzen übergossen, dadurch sind sie glänzend und starr und wirken doch wie gerade hingeworfen. Noch besser ist es in einer Detailaufnahme auf derselben Seite zu erkennen.
https://www.perrotin.com/Bharti_Kher-works-oeuvres-20707-39.html 

Gewebte afghanische Kriegsteppiche mit Panzern und Hubschraubern werden anscheinend viel hergestellt und z.B. an die Soldaten der ISAF gut verkauft. Kleinformatig und farbenfroh stellen sie doch eines von mehreren sehr dunklen Kapiteln der afghanischen Geschichte dar.
Mehr dazu unter:
http://www.zeithistorische-forschungen.de/site/40208656/default.aspx

Die Künstlerin Ghada Amer stammt aus Ägypten und lebt heute in New York. Von ihr waren mehrere Werke zu sehen, die auf den ersten Blick wie Fadengewirr aussehen.  Auf hellem Untergrund sind Frauenköpfe oder -körper gezeichnet und mit Faden nachgestickt worden. Die Enden der Fäden hängen lang aus der Stickerei heraus und bilden das Gewirr, das die Figuren halb verschleiert.
www.ghadaamer.com/ghada/Amina.html
http://www.ghadaamer.com/ghada/My_Nympheas.html 

Die riesige metallene Spinne von Louise Bourgeois war wirklich nicht zu übersehen, man konnte sogar darunter her gehen.
http://michelelegrand.files.wordpress.com/2012/02/hamburg_auc39fenflc3a4che-kunsthalle_spinne-maman-von-louise-bourgeois_1.jpg
In ihren Kunstwerken stellt sie ihre Mutter oft als Spinne dar, da sie Weberin war.
„Der Titel Maman (Mutter) macht deutlich, dass Bourgeois diese Skulptur als Hommage an ihre eigene Mutter verstanden hat, die als Restauratorin von Tapisserien tätig war. Das unermüdliche Wiederherstellen und Restaurieren von Gewebe, das auch Spinnen eigen ist, wird zugleich zu einem Symbol für das unendliche, sich wiederholende und erneuernde Leben im Allgemeinen.“
http://www.hamburger-kunsthalle.de/index.php/Louise_Bourgeois/articles/Louise_Bourgeois.html

Es gibt einen wunderbaren Katalog zur Ausstellung, den man im Buchhandel für EUR 49,80 erwerben kann.
Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
Verlag: Hatje Cantz Verlag; Auflage: 1 (8. Oktober 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3775736263
ISBN-13: 978-3775736268