Neueste Beiträge

Die Tapissereien von Cotehele House in Cornwall

Wandteppiche aus dem 17. Jahrhundert (Juli 2017)

mehr

 
Die Tregellas Tapestries, Redruth, Cornwall

Die Geschichte Cornwalls in 58 gestickten Panelen (Juni 2017)

mehr

Das Amerikanische Museum in Bath, England

Bilder von einer schönen Sammlung traditioneller Quilts (Juni 2017)

mehr

Textile Reise nach Vietnam, 1., 2., 3., 4., 5., 6. und 7. Teil

Besuch im Seidenweberdorf, im Stickerdorf, bei den Hmong, im Dorf Cat Cat, beim Sonntagsmarkt in Bac Ha, in einem kleinen Laden in Sapa, Trachten der ethnischen Minderheiten (April 2017)

mehr

Telas de Lengua auf Mallorca

Besuch in der Weberei Teixits Riera (März 2017)

mehr

Ausstellung in Glasgow: Jugendstilkünstler Alphonse Mucha

Plakate, Gemälde, Grafiken (Januar 2016)

mehr

Trachten im Schwarzwald

Hauben, Halskrausen, Einstecktücher etc. (Oktober 2016)

mehr

Textile Rundreise durch Schottland

Ausstellungen, Studios und Webereien (Oktober 2016)

mehr

Tartan und Kilts in Schottland

Bilder von Karos und Streifen (Oktober 2016)

mehr

Volkstrachten in Polen

Trachten von 1860 bis 1940 aus Łowicz (September 2016)

mehr

Babyquilts

von Sabine Weninger-Dietrich, Elke Burko und mir (Juli 2016)

mehr

TEXTILE ART BERLIN 2016

Farbenfrohe Eindrücke (Juli 2016)

mehr

Textile Ziele in vielen Ländern

Deutschland, England, Frankreich, Schweiz .... (September 2015)

mehr

 
 
Einstellung der Fadenspannung bei Nähmaschinen von Alex Askaroff

Alles was Sie schon immer über das Einstellen der Ober- und Unterfadenspannung bei Ihrer Nähmaschine wissen wollten und sollten.

Dieser Artikel ist lang und informativ. Also kochen Sie sich eine Tasse Tee oder Kaffee und nehmen Sie sich die Zeit, ihn zu lesen. Sie werden sehen, es lohnt sich.

Autor: Alex Askaroff
Autorisierte Übersetzung: Claudia Eichert-Schäfer

Bei Nähmaschinen ist zu unterscheiden zwischen der Einstellung der Oberfadenspannung und der Einstellung der Unterfadenspannung (Spulenkapsel).

Hinweise zum Einstellen der Unterfadenspannung finden sie weiter unten im Text, aber stellen Sie immer zuerst die Oberfadenspannung ein.

Für viele ist Fadenspannung ein Buch mit sieben Siegeln. Schon der Gedanke an eine Änderung der Fadenspannung lässt manche schaudern und zum Melissengeist greifen. Andere gehen ängstlich zu ihrer Maschine, laufen ein paar Mal herum und murmeln Beschwörungen, bevor sie irgendetwas anfassen. Ich weiß von Leuten, die ihre Nähmaschine aus dem Fenster geworfen haben. Ich habe Frauen weinen und Männer Wutanfälle bekommen sehen, wenn es um die Fadenspannung ging. Ich bin in einer Fabrik voller Nähmaschinen aufgewachsen und habe bald viele neue Wörter gelernt, die ich an meine begierigen Klassenkameraden weitergeben konnte. All das dank einer einfachen Nähmaschine. Ich kenne einen Mann, der eine Industrienähmaschine aus einem Fenster im dritten Stock geworfen hat, ... wegen der Einstellung der Fadenspannung.

Aber in Wahrheit ist es ganz einfach, die Fadenspannung an Ihrer Nähmaschine einzustellen, denn es gibt ein paar einfache Verfahren. Bevor ich beginne, möchte ich erwähnen, dass zwar die überwiegende Zahl der Nähmaschinennutzer Frauen sind – mehr als 90% - aber auch Männer nähen: Designer, Polsterer, Schneider, Segelmacher etc. Meine Anleitungen sind für beide Geschlechter.

Einstellung der Oberfadenspannung

Dann lassen Sie uns anfangen.

Sehen Sie sich als erstes Ihre Nähmaschine an.

Wenn Sie an Ihrer Nähmaschine sitzen, haben Sie in der Regel den Einstellregler für die Fadenspannung direkt vor sich. Auf dem Rädchen sind Zahlen, entweder von 1- 9 oder von 1-4, bei älteren Maschinen ist es vielleicht ein Drehrädchen ohne Zahlen.

Alle Einstellregler funktionieren nach demselben Prinzip. Der Oberfaden läuft durch zwei Spannscheiben. Durch Drehen des Rädchens im Uhrzeigersinn oder gegen den Uhrzeigersinn erhöhen oder verringern Sie den Druck auf dem Faden. Drehen Sie ruhig einmal an dem Rädchen. Eine erfahrene Näherin wird die Oberfadenspannung eventuell mehrfach ändern, wenn Sie an einem Bekleidungsstück mit unterschiedlich dicken Nähten näht.

Drehen Sie also am Rädchen.

 Merken Sie sich aber bitte, wo es stand, bevor Sie drehen und stellen Sie es später wieder zurück auf die Ausgangsstellung.

Wie fühlte sich das an? Wenn Sie erst einmal daran gewöhnt sind, die Spannung einzustellen, können Sie Ihre Freunde beeindrucken und Menschen beeinflussen, Na, vielleicht ist das ein bisschen übertrieben, aber mit Sicherheit sind Sie dann die beliebteste Person in Ihrem Quiltkurs!

 Ein wichtiger Hinweis. Es gibt heute Maschinen auf dem Markt, die angeblich über automatische Fadenspannungseinstellung verfügen. Gibt es das wirklich? Ich bezweifle es. Gibt es ein Heinzelmännchen in Ihrer Maschine, das auf den Stoff wartet? Spinxt es aus einem kleinen Loch oben an Ihrer Maschine und sagt: "Einen wunderschönen guten Morgen wünscht ich, der Stoff ist dünn, aber dicht gewebt, nehme ich an, also stell' ich die Spannung genauso ein."

In Wirklichkeit haben diese Maschinen dieselben Einstellrädchen, nur ohne die Zahlen und mit dem Aufdruck automatisch. Ich muss es wissen, ich verkaufe diese Maschinen. Es gibt ein paar komplexe Computer-gesteuerte Maschinen, die angeblich automatische Fadenspannungseinstellung haben, aber auch bei denen kann es Probleme geben, Sie müssen trotzdem lernen, die Fadenspannung einzustellen. Es gibt ein paar Computer-gesteuerte Maschinen, die wirklich einen Selbstregelungsmechanismus haben, aber um die kümmern wir uns jetzt nicht.

Wenn Sie das Rädchen im Uhrzeigersinn drehen, erhöhen Sie die Spannung, wenn Sie es gegen den Uhrzeigersinn drehen, verringern Sie die Spannung. Unser Ziel ist die perfekte Naht, eine Naht, bei sich der Ober- und Unterfaden genau in der Mitte der Stofflagen verschränken.

 Um Ihnen das zu verdeutlichen: falten Sie Ihre Hände und blicken Sie dann in Ihre Handflächen. Ihre Finger bilden jetzt eine vollkommene verschränkte Naht nach. Das wollen wir mit Ihrer Nähmaschine erreichen. Bilden sich auf der Ober- oder Unterseite Schlingen, kann der Faden leicht herausgezogen werden. Die Naht ist dann nicht fest genug.

Fehler bei der Fadenspannungseinstellung führen zu einigen klassischen Problemen: lose Nähte, Schlingen, Stoffe, die sich zusammenziehen oder beulen und vieles mehr. All diese Probleme wollen wir durch das einfache Verfahren der Fadenspannungseinstellung beheben. Auf meiner Fehlerbehebungsseite (Link) habe ich alle Probleme aufgelistet, die bei Ihrer Maschine auftreten können und nichts mit der Einstellung der Fadenspannung zu tun haben.

Also: wir wissen jetzt schon, dass das Drehen eines Rädchens den Unterschied zwischen einer perfekten Naht und einer Naht, über die Sie sich ärgern, ausmacht.

Als erstes müssen wir sicherstellen, dass der Einstellregler auch funktioniert. Stellen Sie den Regler genau auf die Mitte der Anzeige. Wenn Ihr Rädchen keine Zahlen hat, drehen Sie einmal von ganz oben nach ganz unten und schätzen Sie etwa, wo die Mitte liegt, auf diese Mitte stellen Sie Ihr Rädchen dann ein.

Setzen Sie ein Garnröllchen auf die Maschine, führen die den Faden durch die Führungen und fädeln Sie dann ein, dabei ist das Nähfüßchen oben.

 Der Grund dafür ist, dass bei den meisten Maschinen die Spannung der Spannscheiben automatisch gelöst wird, wenn der Nähfuß angehoben ist. Wenn Sie den Nähfuß anheben, wird die Spannung gelöst und Sie können den Faden durch die Nadel ziehen, ohne dass sie sich zu sehr biegt oder der Faden reißt.

Fädeln Sie also den Faden in die Nadel ein, während der Nähfuß oben steht, dann senken Sie den Nähfuß. Was geschieht, wenn Sie am Faden ziehen, wenn der Nähfuß unten ist ? Der Faden lässt sich nur deutlich schwerer ziehen.

Wenn der Faden von den Spannscheiben nicht so straff gehalten wird, dass sich die Nadel biegt, dann

 - funktionieren die Spannscheiben des Einstellrädchens nicht richtig;

- ist die Spannung so niedrig eingestellt, dass keine Vergrößerung der Spannung festzustellen ist;

- läuft der Faden nicht richtig durch die Spannscheiben

Hier möchte ich kurz ein paar Worte zu Garn sagen.

Einige alte Garne machen solche Probleme, dass man sie besser wegwerfen sollte. Sie sind ungleichmäßig dick, reißen oder haben zahllose Knoten.

Verwenden Sie immer gutes Garn, wenn Sie Ihre Maschine einstellen. Ich selber bevorzuge Polyesterfaden, da ich dadurch eine gute Naht erhalte, die ein klein wenig nachgibt. Nicht vielen ist bewusst, dass der Oberfaden viele Male durch das Nadelöhr hin- und her gezogen wird, bevor er schließlich die Naht im Stoff bildet. Sie können das selbst sehen, wenn Sie den Faden oberhalb der Nadel farbig markieren und dann schauen, was passiert, wenn Sie am Handrad der Maschine drehen. Polyestergarn hält dieses Scheuern im Nadelöhr viel besser aus als Baumwollgarn. Aber unabhängig davon, was Sie benutzen, es sollte ein Garn guter Qualität sein.

Sie können einen kleinen Test machen. Ziehen Sie einen Meter Garn von der Rolle und halten Sie den Faden dann vor sich so an beiden Enden, dass er ein großes weites U bildet. Führen Sie jetzt die Hände enger zusammen und schauen Sie, was der Faden macht. Wenn es ein ... Garn ist, passiert gar nichts. Wenn es aber ein schlechtes Garn ist, wird es sich, wenn Sie die Hände näher zusammen bringen, auf einmal verwinden. Das kann viele Probleme verursachen. Der Faden kann sich um Fadenführungen winden und zwischen den Spannscheiben verklemmen. Verwenden Sie solches Garn nicht.

Verwenden Sie bei normalen Näharbeiten niemals gleichzeitig zwei unterschiedliche Garne, wenn Sie nicht verzweifeln wollen.

 Wenn die Spannscheiben zu lose erscheinen, selbst wenn das Einstellrädchen im Uhrzeigersinn bis zum Anschlag gedreht wurde, und der Faden nicht gespannt wird, prüfen Sie zunächst, ob der Faden überhaupt durch die Spannscheiben läuft, und dann sehen Sie nach, ob etwas zwischen den Scheiben klemmt, das verhindert, dass sie Druck auf den Faden ausüben können (drücken Sie die Scheiben vorsichtig auseinander und sehen Sie nach). Vielleicht müssen Sie Fadenreste entfernen, die sich verwickelt haben.

 Wenn die Spannscheiben zu viel Druck auszuüben scheinen, selbst wenn das Einstellrädchen gegen den Uhrzeigersinn bis zum Anschlag gedreht wurde, sind die Scheiben vielleicht verrostet oder es steckt ein Fremdkörper dazwischen. Entfernen Sie den Fremdkörper. Nur leicht angerostete Scheiben können Sie vielleicht polieren, indem Sie eine dünne Schnur zwischen den Scheiben hin und her ziehen. Sind die Scheiben sehr verrostet, muss die Maschine zur Reparatur.

Aber zurück zur Fadenspannung. Wenn Sie sichergestellt haben, dass der Einstellregler funktioniert, dann muss er richtig eingestellt werden, damit Sie eine schöne Naht bekommen. Wir suchen jetzt die Einstellung für durchschnittlichen Stoff. Nehmen Sie also etwas Baumwollstoff, legen Sie ihn doppelt, als wollten Sie zwei Stoffe zusammen nähen. Legen Sie den Stoff in die Maschine und nähen Sie ein Stück. Wie sieht die Naht aus? Wir wollten doch eine Naht, die weder oben noch unten Schlingen zeigt und schön in der Mitte beider Lagen verschränkt ist.

 Probieren Sie doch einmal Folgendes: Greifen Sie ein Fadenende der Naht und ziehen Sie einmal kräftig. Wenn der Faden nach den ersten paar Stichen abreißt, dann ist das eine schöne feste Naht. Wenn Sie aber den Faden herausziehen können, dann müssen Sie die Fadenspannung ändern.

 Auf eines möchte ich hier auch hinweisen: man kann durchaus eine feste Naht haben, der Stoff zieht sich aber zusammen. Darauf komme ich später.

 Wichtig: An dieser Stelle möchte ich auf etwas wirklich Wichtiges hinweisen: die Oberfadenspannung beeinflusst die Qualität der Naht auf der Unterseite des Stoffs. Der Oberfaden wird von Ihrer Maschine um den Unterfaden geschlungen und wieder nach oben gezogen. Zu niedrige Oberfadenspannung zieht den Unterfaden nicht weit genug in den Stoff, zu große Oberfadenspannung zieht den Unterfaden durch beide Stoffschichten auf die Oberseite des Stoffs.

 Können Sie noch folgen oder kriegen Sie schon glasige Augen ? Geduld, wir sind auf dem besten Weg, die Geheimnisse der Fadenspannung zu entschlüsseln. Am Ende des Weges wird alles klar sein.

Zurück also zur Fadenspannung. Wir müssen jetzt abhängig vom Problem die Einstellung ändern. Weiter unten in diesem Artikel geht es um die Einstellung der Unterfadenspannung. Bitte stellen Sie zuerst die Oberfadenspannung ein, denn das ist viel einfacher und in 9 von 10 Fällen ist die Ursache für eine schlechte Naht eine falsche Oberfadenspannung.

Wenn die Naht von unten perfekt aussieht, der Faden oben auf dem Stoff aber straff gespannt ist und sich durch Drehen am Einstellregler nichts daran ändert, dann gehen Sie zu Einstellung der Unterfadenspannung weiter unten.

 Hinweis: Einige der großen Garnrollen, die man heute kaufen kann, verändern das Verhalten einer gut eingestellten Maschine und produzieren eine schlechte Naht, da sie sich schlechter drehen, wenn der Faden gezogen wird. Wenn Sie Probleme mit der Fadenspannung haben und solch eine große Garnwolle benutzen, dann wickeln Sie Garn von dieser Rolle auf eine Spule und setzen Sie diese Spule auf den Garnrollenstift.

Welches Problem gibt es bei der Naht? Sind unten lauter Schlingen? Das ist das häufigste Problem.

Wenn auf der Unterseite des Stoffs lauter Schlingen sind, dann stimmt entweder die Oberfadenspannung nicht, oder der Faden wurde nicht richtig eingefädelt.

Und jetzt geht's zum Eingemachten: Es ist wirklich ganz einfach. Wenn Sie den Einstellregler für die Oberfadenspannung im Uhrzeigersinn drehen, werden die Schlingen langsam verschwinden. Nähen Sie ein paar Zentimeter und sehen Sie sich dann die Naht auf der Unterseite an. Ändern Sie die Einstellung langsam, immer um eine Zahl, z.B. von 4 nach 5, und schauen sie jedes Mal wieder die Naht an. Machen Sie das so lange bis die Naht oben und unten in Ordnung sind. Die Zahl, auf der ihr Einstellregler jetzt steht, ist der "Balance Point", das Optimum.

 Welche Zahl das ist, ist ganz egal. Alle Maschinen sind unterschiedlich, wie Menschen auch. Eine Maschine läuft vielleicht prima mit dem Regler auf 2 und eine andere desselben Typs mit dem Regler auf 7.

Ein Fachmann wird Ihren Regler meist einstellen, dass das Optimum in der Mittelposition erreicht ist, und Sie dann die Spannung erhöhen oder verringern können. Das ist eine interne Einstellung für Fachleute.

Wenn Sie Ihren Punkt gefunden haben, merken Sie ihn sich. Mit dieser Einstellung sollten Sie 90% aller Stoffe nähen können. Bei dünneren Stoffen wie Satin können Sie die Spannung leicht verringern, bei dickeren wie Vorhangstoff oder Denim etwas erhöhen.

Wenn das Verhältnis von Oberfadenspannung zu Unterfadenspannung zwar optimal eingestellt ist, aber in beiden Fällen die Spannung zu groß ist, zieht sich der Stoff zusammen. Verringern Sie Oberfadenspannung und Unterfadenspannung so lange immer ein bisschen (Einstellung der Unterfadenspannung) bis der Stoff glatt liegt.

Ein letzter Punkt zur Einstellung der Oberfadenspannung. Es ist ganz egal, wie oft Sie ihren Einstellregler verstellen müssen, bis es stimmt. Wenn es dann stimmt, gehört Ihnen die Welt.

 Einstellung der Unterfadenspannung

Nur für die ganz Mutigen

 In vielen Gebrauchsanweisungen wird stehen: die Unterfadenspannung wird im Werk eingestellt und sollte nicht verändert werden. Das ist alles gut und schön, aber seither sind 20 Jahre vergangen, das Werk hat dicht gemacht, bei Ihrer Maschine stimmt die Fadenspannung hinten und vorn nicht mehr, Sie wollen etwas nähen und die Maschine soll eine ordentliche Naht produzieren.

Im zarten Alter von 17 führte mich einer meiner Meister in die Geheimnisse der Einstellung der Fadenspannung ein und die nächsten 20 Jahre hat er dann damit verbracht, mir einzuhämmern, wie wichtig die richtige Einstellung für jede Nähmaschine ist, ob nun die allerneuste Super-High-Tech-Maschine oder eine 100 Jahre alte Antiquität, die einfach toll aussieht, aber eben leider nicht ordentlich näht.

 Wenn Sie Probleme mit der Naht haben und wirklich alles ausprobiert haben: Sie haben eine Woche lange versucht, das Problem über die Oberfadenspannung zu lösen, Sie haben die Maschine aus dem Schlafzimmerfenster geworfen und dann nachgeschaut, ob sie vielleicht doch noch tut, bevor Sie Ihrem Mann sagen, bei Ihnen sei eingebrochen worden und der Einbrecher habe die Maschine fallen lassen, als er davon lief. Vielleicht stimmt ja die Unterfadenspannung nicht. Bevor wir jetzt fortfahren, möchte ich Sie dringend auffordern, die Unterfadenspannung nicht, wiederhole NICHT, zu verändern, wenn Sie mit der Naht zufrieden sind.

 Probieren Sie doch einmal Folgendes: Nähen Sie etwa 10 cm auf einem Stück Baumwolle, greifen Sie dann ein Fadenende der Naht und ziehen Sie einmal kräftig. Wenn die Spannung stimmt, dann sollte der Faden reißen, und sich nicht aus dem Stoff ziehen lassen. Sie haben dann eine ordentlich verschränkte Naht. Wenn sich der Faden auf einer Seite aus dem Stoff ziehen lässt, dann ist die Naht nicht in Ordnung und die Fäden sind nicht in der Mitte der Stoffschichten verschränkt. Ergebnis ist eine schlecht haltbare Naht.

 Das Einstellung der optimalen Fadenspannung beherrscht kaum jemand und viele sogenannte Fachleute bearbeiten den falschen Teil Ihrer Maschine und verändern kaum etwas oder gar nichts. Wie viele von Ihnen haben Ihre nichtfunktionierende Maschine zur Reparatur gebracht und ölverschmiert zurückbekommen, im selben Zustand wie vorher? Mit einer netten Rechnung obendrein?

 Also dann. Ich will das Rätsel lösen, das für viele so lange ungelöst war. Sogar der große Erfinder Isaac Singer hatte große Probleme, bei seinem ersten patentierten Nähmaschinenmodell die Spannung richtig hinzubekommen. Sie sind nicht allein.

Die klassischen Symptome für Probleme bei der Unterfadenspannung sind ganz offensichtlich. Ist bei Ihrer Naht der Unterfaden ganz durch den Stoff nach oben gezogen worden ? Von unten sieht die Naht gut aus, vielleicht ein wenig locker, aber Sie können den Oberfaden leicht aus der Naht ziehen. Das liegen an den Schlingen des Unterfadens auf der Oberseite des Stoffs. Der Unterfaden zieht den Oberfaden nicht in den Stoff.

Sie werden feststellen, dass Sie bei diesen Symptomen nichts bewirken, wenn Sie die Oberfadenspannung verändern. Oft meint man, der Einstellregler für die Oberfadenspannung sei vielleicht defekt. Aber das stimmt nicht.

Jetzt wird’s ernst, sind die Anschnallgurte angelegt?

Schritt Nr. 1, Einstellung der Oberfadenspannung. Die Annahme, dass der Einstellregler für die Oberfadenspannung in Ordnung ist, kann die Wurzel des Übels sein, aber das lässt sich schnell feststellen. Die meisten Nähmaschinen, sogar die ganz alten, haben einen Mechanismus zum Lösen der Oberfadenspannung. Wenn der Nähfuß angehoben ist, wird die Spannung auf dem Oberfaden automatisch gelöst, so dass Sie Ihre Arbeit aus der Maschine ziehen können, ohne den Faden zu zerreißen. Das können Sie prüfen, indem Sie den Nähfuß anheben, die Nadel auf die höchste Position stellen und am Oberfaden ziehen. Der Faden sollte sich bei angehobenem Nähfuß leichter ziehen lassen als bei abgesenktem Nähfuß.

Um zu testen, ob der Faden richtig von den Spannscheiben gehalten wird, ziehen Sie am eingefädelten Oberfaden, wenn der Nähfuß unten und die Maschine nähbereit ist. Bei allen Maschinen sollte die Fadenspannung so hoch sein, dass die Nadel sich biegt.

Wenn das nicht der Fall ist, müssen Sie herausfinden, woran das liegt. Meist liegt es an einem Fremdkörper zwischen den Spannscheiben selbst, Flusen, Rost oder verhedderten Fäden. Loser Oberfaden führt zu Fadengewirr auf der Unterseite des Stoffs (oder – wenn es nicht ganz so schlimm ist – zu Schlingen).

Wenn Sie dies getestet haben, stellen Sie Ihren Einstellregler auf den mittleren Wert. Bei älteren Maschinen ohne Zahlen auf den Einstellreglern, drehen Sie das Rädchen im Uhrzeigersinn, bis sich die Nadel biegt, wenn Sie den Faden durchs Nadelöhr ziehen.

Jetzt lassen Sie die Finger von der Oberfadenspannung.

Inzwischen werden die meisten die Lust verloren haben, und gedacht haben, "Ich geh' mir lieber 'ne Pizza holen", dabei sind wir noch immer nicht zur Einstellung der Unterfadenspannung gelangt.

Bei Nähmaschinen ist zwischen zwei Typen zu unterscheiden, den Maschinen mit Spulenkapseln und denen ohne. Wir werden beide Typen getrennt behandeln, aber für beides gibt es typische Symptome und Problemlösungen. Erst zu den Maschinen mit Spulenkapseln.

 An dieser Stelle möchte ich unbedingt darauf hinweisen, dass Nähgarne sich in Sachen Dicke und Klebrigkeit stark unterscheiden. Einmal wurde ich zu einem Krankenhaus gerufen, weil dort 12 Nähmaschinen am gleichen Tag den Geist aufgegeben hatten und musste feststellen, dass das der Schuldige eine Lieferung schlechten Nähgarns war.

 Wenn Sie sich zum Beispiel neues Polyestergarn genau ansehen und mit einer Rolle allen Baumwollgarns vergleichen (Sie wissen schon, die Rolle aus dem Nähzeug Ihrer Großmutter, die Sie nicht wegwerfen wollten, weil man ja nie wissen kann, ob man das Neon-Orange noch mal braucht), werden Sie feststellen, dass das neue Polyestergarn vielleicht nur halb so dick ist wie das alte Baumwollgarn.

 Einfach gesagt, wenn Sie den Polyesterfaden gegen einen alten Baumwollfaden auswechseln, ändern Sie damit die Fadenspannung komplett und das kann ohne Umweg zu einer schlechten Naht führen. Wie oft haben Sie ihre alte zuverlässige Maschine schon beiseite gestellt, da arbeitete sie noch tadellos und ein paar Tage später geht gar nichts mehr? Ihnen war nicht klar, dass das neue Garn das Problem verursacht hat. Manches klebrige alte Baumwollgarn eignet sich nur noch fürs Handnähen oder Heften.

 Halten Sie immer eine Rolle neues weißes Polyestergarn bereit und wenn Ihre Maschine Mätzchen macht, setzen Sie dieses Garn ein und schauen Sie, ob die Naht dann besser aussieht. In neun von zehn Fällen ist das Garn der Schuldige und Sie es müssen einfach nur über sich bringen, es wegzuwerfen. Oder damit nach Nachbars Katze zu werfen, die grade mal wieder Ihre Blumenbeet umgräbt – von Gewicht und Größe her ist so eine Garnrolle dafür genau richtig, hab' ich mir sagen lassen.

Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, bei der Einstellung der Fadenspannung an der Spulenkapsel.

Spulen Sie neuen weißen Faden auf eine Spule, das Garn, das Sie immer nehmen. Es ist gar nicht wichtig, ob es Seide, Baumwolle, Polyester oder eine Mischfaser ist, nehmen einfach das Garn, mit dem Sie immer nähen. Setzen Sie die Spule in die Spulenkapsel. Nehmen Sie jetzt den Faden, der aus der Spulenkapsel kommt, und halten Sie die Spulenkapsel daran hoch. Wenn die Spulenkapsel dabei einfach auf den Boden fällt, dann müssen sie die Schraube an der Spulenkapsel im Uhrzeigersinn drehen, damit der Faden nicht mehr durchrutscht.

 Es ist nicht so wichtig, wie Sie die Spule in die Spulenkapsel einsetzen. Manche finden, die Maschine näht besser, wenn die Spule sich in die eine Richtung dreht, bei anderen ist es die andere Richtung. Das werden Sie für Ihre Maschine nur durch Ausprobieren herausfinden. Viele werden hier völlig anderer Meinung sein, kümmern Sie sich nicht darum.

Wenn jetzt die Spulenkapsel frei am Faden hängt, rucken Sie einmal kurz. Was passiert mit der Spulenkapsel ?

 Jetzt kommen wir wirklich zur Sache.

Wenn Sie kurz rucken, zieht sich der Faden etwas heraus und die Spulenkapsel rutscht ein wenig nach unten. Das ist der Punkt, an dem die Spannung für Ihre Art Faden abgestimmt ist. Wenn die Spulenkapsel nicht nach unten rutscht, müssen Sie die Schraube gegen den Uhrzeigersinn drehen, bis sie es tut. Drehen Sie die Schraube immer nur ein ganz kleines Bisschen, dann rucken Sie wieder. Wenn Sie diese Einstellung beherrschen, werden Sie in allen Nähkursen gefragt sein, um Mätzchen machende Nähmaschinen in Ordnung zu bringen.

Wichtig: Nur mit einer der Schrauben am Spulengehäuse lässt sich die Spannung einstellen, die andere befestigt die Spannungsfeder am Gehäuse und sollte immer fest angezogen sein. Eine Schraube ist also fest angezogen und die andere lässt sich im Uhrzeigersinn und gegen den Uhrzeigersinn verstellen (mit ihr wird die Spannung der Feder eingestellt und folglich die Fadenspannung Ihrer Maschine). In der Regel ist die einstellbare Schraube die Schraube links, meist ist sie etwas größer als die andere. Meist ist es die Schraube nahe der Mitte der kleinen metallenen Spannungsfeder.

 Aber Moment, ich bin noch nicht fertig.

Zwar ist hier die richtige Abstimmung erreicht, aber bei manchen Maschinen muss die Schraube etwas fester gedreht oder etwas gelockert werden, damit die Naht perfekt aussieht. Hierbei drehen Sie mit dem Schraubenzieher nur ein ganz klein wenig, nur etwa 1/16 Drehung. Nähen Sie dann jedes Mal ein Stück und prüfen Sie die Naht. Wenn die Unterfadenspannung erst einmal stimmt, können Sie zurück zum Einstellregler für die Oberfadenspannung gehen und letzte Einstellungen vornehmen, vielleicht von 4 nach 5, damit die Naht wirklich perfekt ist.

Die Einstellung der neueren Plastikkapseln, die fest in die Maschine installiert sind und in die Sie die Spule von oben einsetzen und einrasten, funktioniert sehr ähnlich. Das müssen Sie mehr nach Gefühl tun. Sie müssen den Widerstand beim Ziehen des Fadens fühlen. Eine Möglichkeit wäre, eine feine Handnähnadel zur Hälfte in einen Korken zu stecken, so dass nur ca. 50 mm aus dem Korken herausragen. Dann knoten Sie den Faden aus der Spulenkapsel am Nadelöhr fest und ziehen am Faden. Halten Sie dabei den Korken am unteren Ende fest. Der Widerstand soll die Nadel ganz, ganz leicht verbiegen.

Wenn sich die Nadel nicht biegt, müssen Sie die Schraube an der Spulenkapsel im Uhrzeigersinn fester drehen. Wenn die Nadel sich zu stark biegt, müssen Sie die Schraube etwas lockern. Denken Sie daran, nur ganz kleine Drehungen. Und jetzt ist es geschafft.

Wenn Sie die Unterfadenspannung einstellen können, dann beherrschen Sie endlich Ihre Maschine und nicht Ihre Maschine Sie.

Ein letzter Punkt – wenn Sie mit unterschiedlichen Garnen arbeiten, weiß niemand im Voraus, ob selbst die richtig eingestellte Fadenspannung eine ordentliche Naht ergibt. Am schlimmsten sind alte Garnrollen aus Holz mit Baumwollfaden, der hart, elastisch, klebrig ist und schnell reißt. Das kann wirklich Probleme in Ihrer Maschine machen. Versuchen Sie, für Ober- und Unterfaden dasselbe Garn zu verwenden. Wenn Sie nicht sicher sind, werfen Sie das Garn weg! Das alte Garn ist die grauen Haare und den Ärger einfach nicht wert.

Ich hoffe, dies war für die vielen Näherinnen, die Probleme mit der Fadenspannung haben, eine Hilfe. Jetzt wissen Sie, warum die Einstellung der Unterfadenspannung in Handbüchern kaum je erwähnt wird.

Alex Askaroff

http://www.sewalot.com/index.htm