Textile Entdeckungen auf Kreta im November 2010

 

Eine Woche Kreta im November. Aus dem kalten Berlin in die Sonne, die tagsüber noch auf 24 Grad aufwärmt. Das Meer ist auch noch so warm, dass der Nordeuropäer baden gehen kann, wenn die Kreter auch verständnislos den Kopf schütteln: viel zu kalt! In den Badeorten ist alles für die Winterpause geschlossen, deshalb hat man den Strand auch ganz für sich allein.

Bougainvillea
Bougainvillea rot
Oliven

Natürlich muss ich anfangen mit der Vegetation, denn das ist das erste, was auf Kreta ins Auge springt. Im November hängen die Olivenbäume so voll mit grünen und schwarzen Früchten, dass sie die Äste bis zum Boden biegen und darunter liegen schon Netze für die Ernte. Die Granatäpfel, Zitronen und Orangen sind reif - wenn auch ein Zitronenbaum das ganze Jahr über trägt - und die Bougainvillea blüht in vielen Farben.

Zitronen
Bettüberwurf

In dem Bergdorf Anogia sollen die Frauen ihre Webarbeiten an der Straße ausstellen. Leider gilt das wohl nur für die Saison, denn wir finden zwar ein paar Lädchen, aber sie sind alle geschlossen. Aber in einer Seitenstraße entdecke ich ein Lädchen, in dem eine uralte, schwarz gekleidete Dame häkelt.

Sie winkt uns freundlich herein und bietet nachdrücklich Bonbons an. Ja, das hat alles sie gewebt. Auch den Bettüberwurf auf der Liege, auf der sie sich ausruhen kann, wenn der Rücken zu sehr schmerzt. Wir können uns nur notdürftig mit Zeichensprache verständigen, aber immerhin wird klar, dass sie mir erlaubt zu fotografieren, was sie alles in ihrem Laden hat. Das hier sieht beinahe so aus wie Tänzerinnen.

Läufer2
Läufer

Ich überlege, ob ich mir den schönen woll’nen Läufer kaufen soll. 30 Euro will sie dafür haben. Das schreibt sie auf ein Blatt Papier. Das Muster ist fast dasselbe wie auf dem Bettüberwurf.

Aber ich finde noch etwas Hübscheres: diesen Rücksache, der wohl typisch für Kreta ist. Ich sehe ihn später immer wieder, auch in Andenkenlädchen in der Hauptstadt. Das Besondere daran ist die aufwändige Bestickung auf der Vorderseite. Die Kordel wird oben zusammen gezogen, und zwei weitere Kordeln sind die Träger des Rucksacks.

Rucksack vorn
Ruclsack hinten

Hier die Rückseite.

Die alte Dame freut sich über den Kauf, und küsst mich zum Abschied herzlich auf beide Wangen. Und natürlich müssen wir uns noch einmal bei den Bonbons bedienen.

Diese Rucksäcke finde ich auch im nächsten Laden, in einem Dörfchen auf der Strecke von Galini an der Südküste nach Rethimnon im Norden.

Wenn Sie genau hinschauen, sehen Sie kleine Rosetten auf dem Rucksack verteilt, auch das scheint dazu zu gehören.

Rucksäcke
Läufer rot

Bettüberwürfe und Läufer in diesem Stil und diesen Farben sind typisch für Kreta, allerdings ist das Kunstfaser und wird maschinell gewebt.

Die Besitzerin sitzt an der Nähmaschine und näht eine Tischdecke. Der schöne weiße Strukturstoff aus Baumwolle, den sie vernäht, wird auf der Insel gewebt. Es ist ihr Verkaufsschlager, wie sie sagt. 10 Euro kostet der Meter.

Im Laden sind viele schöne Stickereien von der Insel. Sie erklärt mir, dass bei diesen Arbeiten jeder einzelne Faden des Trägergewebes gezählt werden muss.

Stickerei 3
Stickerei1

Diese Arbeit ist typisch für die Gegend um Rethimnon. Die stilisierten Blumenranken finden sich auf vielen Arbeiten.

Wie aufwändig diese Stickereien sind, kann man bei dieser Detailaufnahme noch besser erkennen.

Stickerei Detail
Tänzerinnen

Das Motiv mit den Tänzerinnen findet sich hier auf einem gewebten Bild wieder. Hier noch einmal die stilisierten Blumenranken. Das Bild ist etwa 50 x 60 cm groß.

Noch ein Zufallsfund an der Straße. Auf dem Dach eines Hauses hängen diese farbenfrohen ..., ja was? Und hängt das auf der Wäscheleine, oder ist das Dekoration auf dem Dach? Auf jeden Fall ist es gehäkelt.

Wäscheleine
Bildteppiche

Auch in der Hauptstadt Heraklion werden Webarbeiten angeboten, vor allem viele verschiedene Bildteppiche, die ich auf dem Land gar nicht gesehen habe. In den Läden viele bestickte Tischdecken, die bestimmt nicht alle von Kreta sind. Da wenige Kunden unterwegs sind, kommen die Ladenbesitzerinnen schnell auf potentielle Kunden zu.

Und da sind auch ganz eigenartige Puppen.

Ich bekomme erklärt, dass diese Puppen der Aufbewahrung von Plastiktüten dienen, man stopft sie unten hinein. Da hat offensichtlich jemand eine gute Idee gehabt, denn man sieht die Puppen überall. Sie sind preiswert und scheinen sich gut zu verkaufen.

Puppen

 

 

 

 

 

 

 

 

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