Südindien, Stoffe, Schneider, Shalwar Kameez
  Textile Entdeckungen in Kerala

Die Damen in Indien tragen Sari, das sind 5 Meter Stoff. Das eine Ende wird in kleine Falten gelegt und in einen Unterrock gesteckt. Dann wird dar Stoff um die Taille geschlungen und über die Brust geführt. Das reich verzierte Ende, der sogenannte Pallu, wird gefaltet über die linke Schulter nach hinten gelegt.

Die Dame auf dem Bild sah, dass ich sie fotografieren wollte, kam freundlich auf mich zu, fragte nach meinem Namen und war gern bereit, für ein Foto zu posieren. Dazu gab es ein strahlendes Lächeln.

Sari
Shalwar2

Junge Mädchen tragen zumeist einen Shalwar Kameez, der besteht aus einer pludrigen Hose, einer langen Bluse, die meist bis fast zum Knie reicht, und einer Dupatta, das ist ein langer Schal, der vorn über die Brust gelegt wird und dessen Enden über die Schultern nach hinten hängen. Auf diesem Bild kann man das ganz schön sehen.

Shalwar Kameez sind aus Seide oder luftiger Baumwolle, und in jedem Reiseführer wird empfohlen sich welche nähen zu lassen. Die langen Ärmel und die Hosenbeine schützen außerdem gut vor Mücken.

 

In der Nähe unseres Hotels in Kovalam bei Trivandrum gibt es einen Strand mit vielen kleinen Kunsthandwerksläden, die jede Menge Textiles verkaufen: Blusen, Röcke, Hosen, Schals, Taschen etc. Die meisten dieser Dinge stammen aus Kashmir oder Gujarat.

Stoffe am laufenden Meter gibt es da allerdings nicht.

Laden2
Stempel

An einem der kleinen Stände am Straßenrand werden Stempel verkauft. Sie sind aus Mangoholz. Der Standbesitzer stammt aus dem Gujarat im Nordwesten Indiens und ist nur in der Saison, also in den Wintermonaten hier in Kerala. In den übrigen Monaten lebt er zu Hause und schnitzt seine Stempel. Seine Sari-gewandete Frau bietet an, mit den Stempel Henna-Tattoos auf eine Hände zu machen. Ich möchte aber lieber Stoff damit bedrucken.

Wann immer wir in den nächsten Tagen hier vorbei kommen, werden wir begrüßt wie alte Freunde.

In den Seitenstraßen, die zum Strand führen gibt es viele Menge Schneider, die preiswert und gut nähen. Die Schneider haben allerhand Stoffe vorrätig, man kann aber auch eigenen mitbringen.

In der Second Beach Road von Kovalam hat Schneider Manikantan seinen kleinen Laden. Natürlich kann er zwei Shalwar Kameez für mich nähen, sagt er freundlich, ich muss nur den Stoff heraussuchen. Seine Idee, den Seersucker-Stoff der Hose auch für die Einsatz der Bluse zu verwenden, gefällt mir sehr gut. In ein paar Tagen sind beide Anzüge fertig und sie passen ausgezeichnet. Das Oberteil ist so lang wie früher meine Miniröcke!

Ich will gleich noch “normale” Blusen nähen lassen, auch dafür ist schöner Seidenstoff da.

Shalwar Kameez2
Tree of Life

An der Straße von der Bushaltestelle in Kovalam zum Hotel Leela ist das “Cottage Arts Emporium”. Im Fenster hängt ein wunderschöner gestickter Tree of Life, also ein Baum des Lebens, aus dem Kashmir. Ich frage im Laden, ob es so etwas auch auf Baumwolle gedruckt gibt. Rizwan. der junge Inhaber verspricht nachzuforschen.

Inzwischen aber gestattet er mir großzügig im Laden zu fotografieren.

Dies ist ein sogenannter Jewel Carpet auf dem Gujarat. Die Juwelen des Wandbehangs sind mit Stickerei gefasst.

Hier ein Detail der Arbeit.

jewel carpet2
Tangka2

Das ist ein sogenannter Thangka aus Tibet.


Die Wikipedia sagt dazu:

Ein Thangka (tib.: thang ka, thang ga) ist ein Rollbild des tantrischen Buddhismus. Es wird zur Meditation in Tempeln oder Hausaltären aufgehängt sowie bei Prozessionen mitgeführt. Dargestellt werden Buddhas, Bodhisattvas, Schutzgottheiten und Lamas in Szenen ihres Lebens in verschiedenen Inkarnationen, oder Symbole wie das Mandala.

Thangkas werden nach genau definierten ikonografischen Vorschriften (in Bezug auf Körperformen, Kleidung und Haltung der Dargestellten) erstellt. Sie sind meist auf Leinen gemalt und vor allem in Tibet verbreitet, teilweise in Nepal sowie in Indien, insbesondere in den Grenzgebieten zu Tibet.

Diese reich bestickte Damenweste stammt aus Kashmir.

Weste
KashmirSchal

Bis dahin konnte ich allen Versuchungen noch gut widerstehen, der Widerstand schwindet aber schnell, als Herr Rizwan mir Kashmirschals zeigt. Dieser hier ist zart bestickt.

Diesen Schal aus Kaschmir und Seide, hauchfein und sehr edel, muss ich aber unbedingt haben! Das ist wohl auch das teuerste Stück meiner Einkäufe.

grauerSchal

Seidenstoff

Natürlich wollen wir noch etwas mehr von Kerala sehen als das Hotel und den Strand. Wir fahren nach Trivandrum, das eigentlich Tiruvananthanpuram heißt, das bedeutet Stadt der heiligen Schlange. Wir besichtigen Tempel und besuchen Museen und natürlich Stoffläden.

In den Läden gibt es wenige Baumwollstoffe am Meter, dagegen aber viele Saris und fertige Stoffpackungen für Shalwar Kameez. Diese Packung besteht aus hauchfeinen bedruckter Seide. Links das Teil für die Bluse, in der Mitte der Abschnitt für die Hose und rechts die fertige Dupatta. Das nehme ich mit zum Schneider nach Kovalam.

In diesem Laden gibt es auch die typischen handgewebten Baumwollstoffe von Kerala zu kaufen: naturfarbene Baumwolle mit feinen farbigen Streifen. Die Dame rechts im Vordergrund trägt einen solchen Sari mit einem feinen goldenen Streifen.

Diese Webstoffe werden in Packungen à 5 Meter verkauft und sind so preiswert, dass ich gleich 4 Pakete ohne Streifen mitnehme. Vielleicht eignet sich das ja ganz gut als Rückseite für Quilts ... viele Quilts.

Kerala-Sari
Lunghi

Die Männer tragen diesen Stoff als sogenannten Lunghi um die Hüften geschlungen, wie diese beiden Fischer am Strand. Der Fischer links trägt seinen Lunghi lang und darüber ein Hemd. Der Fischer rechts hat ihn zur Hälfte hochgebunden, um sich freier bewegen zu können.

Wie das Glück es will, finde ich auf dem Dach des nächsten Stoffladens drei Weber, die eben diese Stoffe weben. Ich bitte um Erlaubnis und darf sie fotografieren. Der Stoff auf diesem Webrahmen hat einen Streifen in grün, gold, grün.

 

Weber
Ikat

Im Laden gibt es wieder viele Packungen für Shalwar Kameez. Ich entscheide mich für diese Kombination aus Baumwolle: links der Stoff für die Hose, in der Mitte der Stoff für die Bluse in einem Ikat-Muster und rechts die Dupatta mit eingewebten Goldfäden.

Was daraus wird, weiß ich noch nicht, vielleicht verwende ich das ja wirklich für einen Quilt.

 

Zurück im Kovalam trage ich den Seidenstoff zum “meinem” Schneider und bitte ihn, mir etwas “Europäischeres” daraus zu nähen: eine Unterbluse ohne Ärmel aus dem Hosenstoff und eine lange Hemdbluse mit Stehkragen und Knopfleiste aus dem Blusenstoff. Die Dupatta werde ich gefaltet darüber tragen.

Herr Manikantan versteht genau, was ich will und das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen! Es passt hervorragend und sieht sehr edel aus.

Ach, ich wünschte, ich könnte den Schneider einfach mitnehmen!

Bluse
Wandteppich

Im Hotel hängt eine antike Kostbarkeit an der Wand: ein bestickter Wandteppich aus Kaschmir, ca. 2 x 2 Meter groß, in einem schönen Holzrahmen.

Im Hotel sind auch fast an jedem Abend indische Tänze zu sehen. Allein die Kostüme sind eine Augenweide. Dieses hier ist das Kostüm eines Kathakali-Tänzers. Die Rollen, auch die Frauenrollen, werden zumeist von Männern getanzt.

Dieses hier ist ein Pachcha: sie sind leuchtend grün geschminkt, und stellen positive Charaktere, edle Helden oder wichtige Gottheiten dar.

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[www.quilts.de]